Konzeption

Unsere pädagogische Arbeit basiert auf der Menschenkunde Rudolf Steiners und der sich daraus entwickelten Waldorfpädagogik.

 

 

1. Allgemeine Bildungs- und Erziehungsziele der Waldorfpädagogik

 

 

Achtung vor der Individualität des Kindes

 

Waldorfpädagogik sieht in jedem Kind – ungeachtet seiner sozialen, ethnischen und religiösen Herkunft – eine einmalige, unantastbare Individualität, die schon vor der Geburt und Konzeption existiert hat. Sie bringt ein ganz persönliches Schicksal mit, verbunden mit zunächst noch verborgenen und dem Kind selbst noch nicht bewussten Begabungen für die Zukunft, die erst im späteren Leben nach und nach hervortreten.

 

 

Begleitung in die Freiheit und Verantwortungsfähigkeit

 

Erziehung und Bildung haben die Aufgabe, den jungen Menschen auf seinem  Weg der Selbstfindung zu unterstützen, damit er die in ihm liegenden Fähigkeiten und Intentionen entdecken und entfalten kann. In dem Maße, in dem er fähig wird, immer mehr in Übereinstimmung mit sich selbst und den eigenen Zielen zu leben, ist er frei. Das versetzt ihn in die Lage, Verantwortung übernehmen zu können nicht nur für die eigene Entwicklung, sondern auch für die Entwicklung anderer Menschen, für die Erde als Lebensorganismus, für die kulturelle und wirtschaftliche Zukunft der Menschheit. Erziehung und Bildung sollen diesen Weg zur Freiheit und Verantwortungsfähigkeit des Menschen unterstützen.

 

 

Ausbildung der Sozialfähigkeit

 

Waldorfpädagogik möchte Kinder und Jugendliche mit den Fähigkeiten ausstatten, die notwendig sind, um in der sozialen Gemeinschaft aktiv und positiv mitwirken zu können. Respekt für andere Menschen, Empathiefähigkeit und demokratisches Bewusstsein  gehören ebenso dazu wie moralische Urteilsfähigkeit, Initiativfreudigkeit und die Bereitschaft zur Übernahme von Pflichten. Im Blick auf die multikulturell sich entwickelnde Gesellschaft liegt eine wichtige Aufgabe in der Pflege des vorurteilsfreien Interesses für Menschen mit einem anderen Kulturhintergrund, so dass Offenheit und Verständnis entstehen können. Kinder unterschiedlichster Herkunft und Begabung und beiderlei Geschlechts sollen respektvoll miteinander leben und lernen.

 

 

Ansätze für eine umfassende Gesundheit

 

Waldorfpädagogik sieht ein vorrangiges Ziel ihrer Bemühungen in der Förderung und Sicherung einer tragfähigen Gesundheitsbasis, wobei es nicht alleine um die Pflege der leiblichen Grundlagen (z.B. durch gesunde Ernährung und genügend Bewegung) geht, sondern auch um die umfassende Harmonisierung der seelisch-geistigen Organisation durch das Individuum.

Gesundheitsförderung im Sinne der Salutogenese wird als eine eminent pädagogische Aufgabe begriffen, weil die Gesundheitsentwicklung des Kindes in hohem Maß von Faktoren abhängt, die von den Erwachsenen zu verantworten sind: Die materielle und die seelische Umgebung zählen ebenso dazu wie das soziale Verhalten der Pädagogen, die von ihnen geschaffene Lernatmosphäre und vieles mehr. Gesundheitsförderung wird aber auch im medizinischen und therapeutischen Sinne betrieben, denn es gehört zum Waldorfkonzept, dass eine enge, sehr unterschiedliche Zusammenarbeit mit Therapeuten und Ärzten stattfindet.

 

 

Zeit lassen für nachhaltige Entwicklung

 

In der Kindergartenzeit werden die Grundlagen gelegt für die zukünftige Gesundheit oder Krankheit, Leistungsstärke oder Leistungsschwäche. Insofern steht jedes pädagogisches Handeln in unmittelbarer Verantwortung für die Entwicklung eines Menschen. Waldorfpädagogik bemüht sich deshalb, alle körperlichen, intellektuellen und sozialen Kräfte und Fähigkeiten der Kinder mit genügend Zeit reifen zu lassen, um so das Fundament für lebenslange Lern- und Leistungsfähigkeit zu legen. Nachhaltigkeit ist ihr Anliegen, nicht Schnelligkeit. Jedem Kind muss die Zeit eingeräumt werden, die es für seine individuelle Entwicklung braucht. Waldorfpädagogik versteht Bildung und Erziehung als einen durchgehenden Prozess.

 

 

Ganzheitliche Bildung und individuelle Förderung

 

Damit jedes Kind die Möglichkeit hat in seiner weiteren Entwicklung seinen individuellen Weg finden kann, vermeidet Waldorfpädagogik jede vorzeitige Spezialisierung und Sonderung. Sie setzt auf eine ganzheitliche, möglichst umfassende Bildung und Erziehung, die jedem Kind die Möglichkeit gibt, sich gemäß seinen Anlagen zu entwickeln. Enge Zusammenarbeit mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten ist dabei selbstverständlich.

 

 

 

2. Ziele der Waldorfpädagogik für die Kindergartenzeit

 

Auf Grund ihres Verständnisses entwicklungsphysiologischer und entwicklungs-psychologischer Gesetzmäßigkeiten sieht Waldorfpädagogik für die frühkindliche Erziehung wie auch für den Bildungsauftrag des Kindergartens ganz anders geartete Aufgaben als für die darauf folgende Schulzeit. Nicht das Herausfordern intellektueller und reflektorischer Möglichkeiten steht im Vordergrund, sondern das Eintauchen in vielfältig differenzierte Tätigkeiten und sinnlich-konkrete Wahrnehmung, durch die das Kind seine Erfahrungswelt in unmittelbarer, aktiver Teilnahme erweitert und vertieft. In diesem Zusammenhang kommt dem freien kindlichen Spiel große Bedeutung zu.

Zu den pädagogischen Elementen, die dem kleinen Kind Lebenssicherheit und inneren Halt geben, gehört neben der emotionalen Zuwendung der Erwachsenen auch die Vermittlung ethisch-moralischer Qualitäten, das verbindliche Setzen von Grenzen und Regeln, das Wahrnehmen guter Umgangsformen und Konfliktlösungsstrategien. Es wird versucht die gewünschte Qualität durch das Vorbild der Erwachsenen in eine gelebte Wirklichkeit umzusetzen, die das Kind als selbstverständliche Tatsache in seiner Lebensumgebung vorfindet und sich durch Nachahmung zu Eigen macht.

Der Waldorfpädagogik ist es ein Anliegen, durch die bewusste Pflege von Ritualen, durch das Feiern jahreszeitlicher Feste, durch Singen und Musizieren, durch das Einstudieren kleiner Theaterspiele, durch das tägliche Sichversammeln zum Anhören einer Geschichte nicht nur das Gemeinschaftsleben zu stärken, sondern auch die seelische Erfahrungswelt der Kinder anzuregen und zu bereichern. Diese Tätigkeiten werden so gestaltet, dass sie immer offen sind für das, was Kinder aus anderen Kulturkreisen und anderen Religionsgemeinschaften mitbringen. Weltanschauliche Indoktrination liegt der Waldorfpädagogik fern.

 

 

Vorbild und Nachahmung

 

Das Kind ist ganz Sinnesorgan” (Rudolf Steiner). Es kennt keine Trennung zwischen Körper, Seele und Geist. Alle Einflüsse werden wahrgenommen und müssen verarbeitet werden. Es ist eine große Herausforderung an die Erzieher das Kind schrittweise ins Leben zu führen. Ihre Aufgabe ist es echte, identische, wahre und sinnvolle Erlebnisse zu schaffen, damit das Kind in gesunder Weise nachahmen kann. Wir versuchen durch Tätigkeiten, die im sinnvollen Zusammenhang stehen, den Kindern ein Verständnis und ein Begreifen der Welt zu ermöglichen. Durch die Persönlichkeit des Erziehers kann sich das Kind entwickeln. Um dem Kind ein Vorbild zu sein, muss man ständig Selbsterziehung üben und sein Tun immer wieder reflektieren.

 

 

Rhythmus und Wiederholung

 

Durch einen rhythmischen Tages-Wochen- und Jahresablauf ist ein immer wiederkehrender Umgang mit den Tätigkeiten geben. Das rhythmische Erleben gibt den Kindern eine Orientierung und eine Grundlage zur Selbstsicherheit. Durch das wiederkehrende Erkennen kann sich das Erfahrene und Erlebte in die Seele des Kindes senken und gute Gewohnheiten können angelegt werden.

 

 

Sinne Sprache Spiel

 

Mit unseren Sinnen nehmen wir die Welt wahr. Im Kindergarten werden diese Sinneswahrnehmungen geschult und gefördert. Das Kind nimmt alles begierig auf. In unserer Einrichtung kann das Kind durch Materialien, die in ihrer ursprünglichen Form sind, Naturerlebnisse erfahren. Diese Sinneserlebnisse wirken auf seine leibliche Entwicklung und fördern im späteren Leben seine geistige, seelische Entwicklung. Für die Erzieherinnen ist die Aufgabe, wie viele Reize geben wir den Kindern und wie viel Zeit lassen wir ihnen ihre Eindrücke zu verarbeiten, eine wichtige Herausforderung. Sprachentwicklung bewusst im Kindergarten zu fördern, bildet die Grundlage für das heranwachsende Kind, sich ganz individuell seinen Mitmenschen gegenüber in Wünschen, Bedürfnissen und Emotionen zu äußern. Wir wollen durch Lieder, Märchen, rhythmische Geschichten, Reigen, Eurythmie, Puppen-, Finger- und Kreisspiele in spielerischer Weise den Spracherwerb fördern. Vor allem ist uns die phantasievolle Ansprache im Kindergartenalter wichtig. Dabei wird der ganze Mensch geprägt, die seelische Entwicklung, das Denken/ die kognitive Grundlage und die körperliche Bewegung in Einklang zu bringen.

Dem kindlichen Spiel wird eine große Bedeutung zugemessen. Neben der Auswahl von Materialien schafft die Raumvorbereitung eine Atmosphäre, die das Kind zum kreativen Spiel anregt. Es fördert die soziale Kompetenz und hilft ihnen sich zu orientieren. Das Freispiel ermöglicht den Kindern durch die unterschiedlichsten Rollenspiele Dinge zu verarbeiten und daran zu wachsen. Das Spiel im Garten nimmt in unserer Einrichtung einen großen Stellenwert ein. Im freien Gelände können die Kinder natürliche Bewegungsabläufe nachvollziehen und ihren Körper besser wahrnehmen, sodass elementare Sinneserfahrungen ermöglicht werden. Gleichzeitig wird das Miterleben der jahreszeitlichen Wechsel durch Bäume, Sträucher als ein naturbewusstes Erleben wahrgenommen. Als gemeinschaftsfördernd dienen Ausflüge, die ein bewusstes Erleben von Weggehen und Wiederkommen entstehen lassen.

 

 

Essen – Wachen – Schlafen

 

In unserer Einrichtung nehmen wir die Mahlzeiten gemeinsam ein. Unsere vollwertigen Lebensmittel beziehen wir aus biologischem -, sowie Demeteranbau. Da unser Alltagsleben durch das rhythmische Wiederholen geprägt ist, bereiten wir täglich mit den Kindern unser Frühstück zu. An jedem Wochentag gibt es ein bestimmtes Getreide, welches durch seinen Aufbau den ganzen Menschen anspricht. Die Kinder sind fleißige Helfer beim Obst schneiden, Tisch decken. Unsere „großen Kinder“ übernehmen auch die täglichen Aufgaben, z.B. das Spülen. Durch das gemeinsame Tun erleben die Kinder die Wichtigkeit der Mahlzeiten.

 

Auch unsere Tageskinder bekommen ein täglich frischzubereitetes vollwertiges Mittagessen. Die Kinder fragen mehrfach unsere Köchin: „Was gibt es heute?“, so dass ein reger Austausch mit der Küche statt findet. Bald durchzieht ein leckerer Geruch die Einrichtung und wir freuen uns alle auf das Mittagessen.

 

Nach dem täglichen Spiel, wenn für unser leibliches Wohl gesorgt wurde, beginnt die Mittagsruhe. Die Kinder, die lange bleiben, brauchen Zeit und Ruhe um bei sich selbst wieder anzukommen. Durch eine Ruhezeit kann der bisherige Tag verarbeitet und neue Kraft geschöpft werden, um die neuen Herausforderungen des Nachmittags durchhalten zu können.